„Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen, und zwar nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz Christi entkräftet wird. Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft“ (1.Kor. 1,17-18)
„Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgerniss, den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, verkündigen wir Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1.Kor. 1,22-24)
Das Wort vom Kreuz
Wenn Menschen das Wort „Kreuz“ hören, haben sie unterschiedliche Assoziationen damit. Über die Jahrhunderte hinweg gaben die Leute dem Kreuz unterschiedliche Bedeutungen. Meist findet man Kreuze auf Kirchen oder Büchern, da das Kreuz ein Symbol des Christentums ist. Kreuze stehen auf Friedhöfen und gelten als Zeichen dafür, dass hier jemand begraben liegt. Es gibt Kreuze in unterschiedlichen Größen. So gibt es Kreuze auch als Schmuck an Ketten.
Doch darum geht es nicht. Was ist die Botschaft des Kreuzes? Worin liegt die Kraft und die Weisheit des Kreuzes? Wie komme ich zu dem Punkt, an dem ich sage, dass das Kreuz für mich Kraft und Weisheit ist?
Wenn Apostel Paulus vom Tod Jesu Christi spricht, dann spricht er oft vom Opfer, vom vergossenen Blut oder vom Kreuz. Wenn wir vom Opfer Jesu Christi sprechen, dann sagen wir oft: „Durch das Opfer Jesu Christi haben wir Frieden mit Gott. Durch das Opfer Jesu Christi sind wir gereinigt. Durch das Opfer Jesus Christi sind wir reingewaschen. Durch das Opfer Jesu Christi sind wir gerechtfertigt.“
Aber das Wort Gottes spricht nicht nur vom Opfer, sondern auch vom Kreuz. Natürlich ist es ein und dieselbe Handlung, aber es hat unterschiedliche theologische Bedeutungen. Wenn wir vom Opfer sprechen, dann reden wir immer darüber, was wir vom Opfer Jesu Christi nehmen können. Wenn wir wiederum vom Kreuz sprechen, dann sprechen wir von unserem persönlichen Tod mit Jesus Christus dort am Kreuz.
Wir singen gerne:
„Jesu, zieh zum Kreuze mich,
wo die Quelle fließet,
die zum Heil der Sünder sich
dort so frei ergießet.“
Wir lieben es, uns ziehen zu lassen. Wir lieben es, am Kreuz zu stehen und das Opfer Jesus anzunehmen, besonders beim Abendmahl. Wir schauen, wir gedenken. Das alles brauchen wir und es ist auch gut so. Es ist ein seliger Zustand.
Aber die Heilige Schrift bietet uns nicht nur an, uns vom Kreuz ziehen zu lassen oder neben dem Kreuz zu stehen, sondern AUF dem Kreuz zu hängen. Und das ist die Botschaft dieses Artikels.
Nicht NEBEN dem Kreuz, sondern AUF dem Kreuz!
Wie viele Menschen lieben es heute, neben dem Kreuz zu stehen und Gott sei Dank dafür! Viele sind bereit, das anzunehmen, was das Kreuz bietet: Vergebung, Reinigung, Versöhnung. Und das freut uns!
Aber es gibt diese zweite, weitere Botschaft vom Kreuz, zu der uns das Wort Gottes aufruft: „Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten.“ (Gal. 5,24.)
Diese Wahrheit ist sehr schwierig zu begreifen und noch schwieriger umzusetzen. Denn sie schränkt unser Innerstes ein und berührt unseren eigenen menschlichen Stolz.
Deshalb bleiben viele Christen oftmals dabei, Jesu Tod am Kreuz „nur“ als ein Opfer anzunehmen. Apostel Paulus jedoch geht weiter. Er spricht nicht nur davon, dass wir etwas vom Kreuz empfangen sollen. Sondern dass wir zusammen mit Christus dort auf dem Kreuz mitgekreuzigt werden. Denn das ist die Ausführung der Errettung. Für Menschen, deren Errettung noch vollbracht wird, ist es Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Viele junge Christen haben zu kämpfen, nachdem sie sich für Christus entschieden haben. Sie empfinden vieles als Last und Bürde. Zu vielem muss man sich zwingen und jede Veränderung von Gewohnheiten oder des Charakters ist mit einem unglaublichen Aufwand und Anstrengung verbunden. Und manchmal klappt es nicht so recht. Damit einher kommen auch immer wieder Zweifel über die Echtheit des eigenen Glaubens auf.
Ihr Problem ist aber folgendes: Diese Christen sind nie weiter als bis zum Kreuz gegangen. Sie haben nur die halbe Botschaft gehört und verinnerlicht.
Das Kreuz tut nicht nur etwas für uns, sondern es muss etwas IN uns bewirken.
Man kann das Problem der Sünde lösen, und zwar durch das Opfer Jesu Christi. Aber das Problem unserer sündhaften Natur bleibt. Doch auch dieses löst das Kreuz Jesu Christi. Viele haben sich damit einverstanden erklärt, dass das Kreuz Jesu Christi etwas für sie tut. Aber wer ist bereit, heute das Kreuz in sich durchdringen zu lassen, damit es etwas im Innersten bewirkt?
Kreuzige dich selbst
Ja, sich selbst zu kreuzigen ist ein schmerzhafter Prozess. Aber es ist ein notwendiger Schritt in der Rettung des Menschen, um ein siegreiches und freudiges Leben zu führen. Denn es ist eine Sache, reingewaschen zu werden von der Sünde, aber eine völlig andere, frei zu werden von ihrer Macht. Die Macht, die den Menschen dazu zwingt, nachfolgende Sünden zu tun.
Als wir geboren wurden, wurde uns mit unserem physischen Körper auch die starke Macht der Sünde übergeben, die den Menschen zum Sünder macht. Diese Macht ist stärker als der Mensch. Die Bibel nennt es das „Gesetz der Sünde und des Todes“ (Römer 8,2), gefallene Natur oder Fleisch. Im 7. Kapitel des Römerbriefes beschreibt Apostel Paulus diesen Umstand: „Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ (Röm. 7,19-20)
Dieses Problem wird dadurch gelöst, indem sich der Mensch mitkreuzigt (Gal. 5,24). Denn durch die eigene Kreuzigung stirbt der alte Mensch und damit seine sündige Natur und die Macht der Sünde (Röm. 6).
Manche Menschen sagen, dass man sich in der Vollkommenheit befleißigen muss, aber Gott sendet uns nicht dafür in die Kinderstunde oder lässt ihn erziehen. Es wird nicht versucht, ihm die Gesetze der Ethik oder Ästhetik beizubringen. Die einzige Antwort Gottes für unseren alten Menschen ist die Hinrichtung dort am Kreuz. Als Jesus Christus gekreuzigt wurde, wurden wir mitgekreuzigt. Als Jesus Christus gestorben ist, sind wir mit ihm gestorben. Als Jesus Christus begraben wurde, wurden wir mit ihm begraben. Als Jesus Christus auferstanden ist, sind wir mit ihm auferstanden. Das Verständnis und die Anwendung in unserem Leben gibt uns innere Freiheit und Sieg.
Der Kampf zwischen Fleisch und Geist
Das Fleisch ist zwar befreit von der Macht der Sünde, aber nicht von ihrer Gegenwart. Denn wir kennen es alle zu gut, wie gewisse Dinge wie vielleicht unser Stolz oder unsere Begierden uns noch reizen und locken. Jedes Mal, wenn unser Fleisch im Kampf ist, stehen wir vor der Wahl. Wir haben die Wahl, dem Willen Jesus zu folgen. Und diese Wahl ist immer mit Schmerzen verbunden. Immer dann, wenn wir den Weg des Gehorsams wählen, fügen wir unserem Ich und unserem Willen, unseren Begierden, Schmerzen hinzu.
Ist es einfach, zwischen dem Willen und dem Weg Gottes und unserem eigenen Ich zu entscheiden? Der Ausgang ist oft blutig, es ist ein andauernder innerer Kampf.
Lasst es uns an einem Beispiel veranschaulichen. Nehmen wir an, ein junger Christ hat mit Eifersucht zu kämpfen. Die Sünde „Eifersucht“ wird niemals nur sein Innerstes zerstören. Von seiner Eifersucht zerfressen, wird sich das auch auf sein Umfeld und besonders auf den auswirken, auf den er eifersüchtig ist. Es können ganz banale materielle Dinge sein, wie eine bessere Ausbildung, ein besseres Gehalt oder eine bessere soziale Stellung in der Jugend. Aber auch geistlicher Erfolg, die Fähigkeit, gut zu singen, zu predigen oder einfach ein guter Gesprächspartner zu sein. All das kann dazu führen, dass der Mensch Eifersucht oder Neid empfindet.
Doch wie sieht nun die gesunde und richtige Reaktion eines Christen aus, wenn er merkt, dass in ihm wieder der alte Mensch mit seiner Eifersucht erwacht?
Zuerst muss er zum Kreuz kommen, es bekennen und Jesu Werk am Kreuz anerkennen. „Herr, ich weiß, die Macht der Sünde war dort am Kreuz und ich bin frei davon. Ich bekenne das und ich möchte nach deinem Willen leben.“
Der Mensch muss diesen inneren Erkenntnisprozess durchgehen.
Was tut er als Nächstes? Er kreuzigt seinen Leib mit seinen Lüsten und Begierden. Er trifft die Entscheidung, die dem Willen Gottes entspricht. Ist diese Entscheidung schwer? Gewiss. Er fängt an, das zu tun, was die Schrift ihm befiehlt. Er stellt sich möglicherweise auf die Knie und spricht:
„Herr du hast meinen Bruder oder meine Schwester mehr als mich gesegnet. Möge darin dein Wille geschehen. Du hast es so entschieden. Segne diese Person bitte noch mehr. Herr, gib ihm noch mehr Segen! Herr, ich glaube daran, dass du mir das geben wirst, was du für nötig hälst.“
Solch ein Gebet zu sprechen ist nicht leicht, denn es berührt unser Innerstes, unseren Stolz. Aber wenn wir das tun, liegt darin unser Sieg und unsere Freiheit.
Vielleicht liest du diesen Artikel und merkst, dass du bisher nur den ersten Schritt gemacht hast und am Kreuz standest, doch noch nie am Kreuz hingst. Die Schrift ruft uns dazu auf, uns kreuzigen zu lassen mit Christus, denn in seinem Kreuz und seinem Tod kann der Mensch zu wahrer Echtheit gelangen.
Und so hat das Kreuz für viele Menschen eine unterschiedliche Bedeutung. Den Ungläubigen ist es eine Torheit, denn das Kreuz sagt, dass man schwach und hilflos ist. Es zwingt einen dazu, aufzugeben, was die Würde und den Stolz vieler Menschen übersteigt. Das zu begreifen und auszuleben kann nur im Zusammenspiel mit der Wirkung des Heiligen Geistes geschehen. Demjenigen, der es verinnerlicht hat und es lebt, ist das Wort vom Kreuz Gottes Kraft und Gottes Weisheit.