Glaubensvorbilder – Andrej Bashmakov

Wie Gott mich fand


Bereits mit 15 Jahren hatte ich jeglichen Sinn für das Leben verloren, da ich sehr krank und enttäuscht war. Ich fragte Gott: „Wenn du da bist, warum gibt es so viel Unrecht? Warum musste ich meine ganze Kindheit im Krankenhaus verbringen?“


Doch durch die schwere Krankheitsphase begnadete Gott mich als kleines Kind im Krankenhaus und ich blieb am Leben. Mit meiner angeschlagenen Gesundheit war ich das Problemkind für die gesamte Familie.


Als ich dann 15 Jahre alt war, berührte Gott mich sehr stark. Ich befand mich gerade in Tallinn, in Estland. Zufällig kam ich dort in eine Gemeinde und hörte die Predigt. Sie war auf Estnisch und ich verfolgte sie über einen Hörer. Als der Prediger begann, hatte ich das Gefühl, er würde über mein Leben reden. Alle Fragen, die ich an Gott hatte, beantwortete er in seiner Predigt. Doch er kannte mich nicht und sprach auch eine andere Sprache als ich. Da verstand ich, dass Gott sich in diesem Moment zu mir wendet. Nach dem Gottesdienst lief ich ganz nach hinten und wandte mich an Gott: „Gott, wenn es wirklich alles so ist, dann nimm dieses Nicht-Leiden-Können, diese Bosheit aus meinem Herzen. Auch das Nicht-Vergeben, nimm das auch weg.“ Und dann kam Gott.

Ich habe wirklich gespürt, wie Gottes Liebe mich erfüllte. Die ganze Bosheit hatte er aus meinem Herzen verdrängt. Ich kam als neuer Mensch aus dieser Versammlung heraus. Wieder zuhause, musste ich erneut ins Krankenhaus zur regelmäßigen Untersuchung und Genesung. Doch als sie mich dann untersuchten, konnten sie keine einzige Diagnose, die vorher entdeckt wurde, feststellen. Ich hatte angegriffene Nieren und sie sagten zu mir, ich hätte sogar neue Nieren: Das seien nicht mehr die aus meinen alten Aufnahmen. Da verstand ich, dass Gott mich nicht nur von dieser Bosheit und von diesem Nicht-Leiden-Können geheilt hatte, sondern auch von meinen Krankheiten.

Mein Leben gehört Dir


Ich war fest entschieden: „Gott, mein ganzes Leben gehört dir.“
Die folgenden Jahre meines Lebens betete ich im größten Ausmaß für die Verkündigung des Evangeliums. Anfangs evangelisierte ich nur regional. Aber schon sehr bald, als ich dann Bischof wurde, wurde ich als Verantwortlicher für die Evangelisation der ganzen Bruderschaft eingesetzt. In dieser Zeit hatten wir mehrere Gemeinden gegründet und konnten sehen, wie die Bekehrten im Glauben stärker wurden. Einige von ihnen sind heute Pastoren in anderen Gemeinden.
Wir suchten immer nach dem Willen Gottes, um den richtigen Weg der Verkündigung einzuschlagen.

Die Formen und Methoden der Verkündigung veränderten sich mit den Jahren etwas. In den Gemeinden, in denen ich als Pastor verantwortlich war, sprach ich immer über die Verkündigung. Deshalb hatten alle diese Gemeinden die  Vision der Verkündigung und gründeten wiederum neue Gemeinden.
Es ist mir wichtig geworden, junge Menschen zu inspirieren und auch für diesen Dienst auszurüsten.

Das Problem unseres Wohlstands


In meiner Verantwortung im Dienst der Bruderschaft ist mir mit der Zeit ein ernstzunehmendes Problem aufgefallen.
Um das Jahr 2000 waren alle unsere Kirchen in verschiedenen Bereichen sehr engagiert. Von 1990 bis zum Jahr 2000 waren alle Gemeinden sehr eingespannt in der Rehabilitationsarbeit. Auch in den Jahren danach bis ca. 2010 war die Gemeindegründung in vollem Gange.

Doch dann musste ich zunehmend feststellen, dass dieser Dienst abgeschwächt ist. Die jungen Leute waren eher damit beschäftigt, viel Geld zu verdienen, ein gutes Auto zu fahren und ein schönes Haus zu bauen. Viele nahmen hohe Kredite bei der Bank. Doch nicht alle haben Erfolg im Business gehabt. Die Bibel sagt uns, dass die, die reich werden wollen, in verschiedene Versuchungen und Fallstrecke des Satans fallen.
Die Verkündigung war plötzlich nicht mehr notwendig. Das war mein Schmerz und auch meine Sorge.

Unsere Missionsschule


Vor etwa fünf Jahren legte Gott mir aufs Herz, in Russland eine Schule zur Ausrüstung von Missionaren zu gründen. In unseren Anfängen bildeten wir die Leute einen Monat lang aus. Doch wir merkten, dass diese Vorgehensweise nicht funktionierte und keine langfristigen Früchte erzielte.


In unseren Rehabilitationszentren fiel mir auf, dass es ein Jahr brauchte, um zu lernen, sich von dem alten Lebensstil und der alten Denkweise zu lösen. Etwa 70 % der Rehabilitanden kehrten nach diesem einen Jahr der Zusammenarbeit nicht mehr zu den Drogen zurück.
Also schlug ich vor, dieses Konzept auf unsere Missionarsschule anzuwenden und den Lehrgang auf ein Jahr auszulegen. Vier Monate Theorie vor Ort und acht Monate, in denen die Schüler dann in der Praxis eingesetzt werden.


Zudem war es mir sehr wertvoll, die besten Lehrer aus unserer Bruderschaft dafür zu gewinnen. Diejenigen, die nicht nur die Theorie kennen, sondern diese auch in ihrem Leben anwandten.
Ich sage den Brüdern immer: „Brüder, es ist sehr wichtig, dass ihr nicht nur die guten Seiten, sondern auch die negativen Erfahrungen teilt. So können die Schüler aufgrund von euren Lebenszeugnissen Dinge ausschließen, die ihr bereits erlebt habt.“ Die negativen Aspekte wegzulassen, finde ich falsch. Denn dann entwickelt sich bei der nächsten Generation ein verzerrtes oder falsches Bild aus dem, was wir haben. Aber es ist wichtig zu zeigen, dass die, die vor uns den Weg gegangen sind, auch ihre Schwierigkeiten hatten.


Heute, wo wir jetzt schon das vierte Jahr zusammen sind, sind 80 % unserer Studenten danach nicht in ihr altes Leben zurückgekehrt, sondern haben sich dem Missionsfeld gewidmet. Denn auf dem Missionsfeld haben sie gelernt, Gott so zu erleben, wie sie ihn zuvor nicht erlebt haben. Sie werden ausgesät für das Reich Gottes.

Alles für das Reich Gottes


Manchmal fällt es mir schwer, die Leute, die neben mir herangewachsen und sehr fähig sind, loszulassen. Aber ich weiß, dass das nicht richtig ist. Wenn ich sehe, dass Gott sie nach seinen eigenen Wegen führt, dann segne ich sie. Es ist eine große Freude, wenn ich diejenigen dann als Pastoren oder Missionare wiedersehe, dort, wo Gott sie haben will.
Natürlich ist es nicht einfach, jemanden für ein Jahr aus dem alltäglichen Leben herausreißen. Aber die, die diese Entscheidung treffen, werden größtenteils ihr ganzes Leben mit der Mission verbunden sein.


Die vier Monate in der Theoriephase kosten etwa 70.000 Rubel. Das sind ca. 700-800 Euro. Entweder die Gemeinde trägt es oder die Studenten selbst müssen diese Gelder verdienen. Aber dieser Betrag deckt eigentlich nur 50-60 % der realen Kosten. Zusätzlich müssen noch die restlichen Finanzen irgendwo aufgetrieben werden, um eine solche Missionsschule zu erhalten. Leider ist es so, dass nur verhältnismäßig wenige Gemeinden bereit sind, Schüler zu senden und dann auch zu finanzieren. Denn nach Abschluss der Missionsschule werden sie an anderen Orten eingesetzt, um dort zu wirken und zu evangelisieren.
Wenn ich sehe, dass es Durstige ohne die finanziellen Möglichkeiten gibt, bemühen wir uns, Mittel zu finden, damit sie zu dieser Schule gehen können. Für die praktischen Einsätze kommen die Gemeinden auf, die dann einladen. Dennoch gibt es Orte, an die wir von der Schule aus aussenden, wie beispielsweise in Afrika. Dafür müssen wir dann die Kosten tragen.


Ich sehe an unserer Schule, wie Gott das Denken junger Menschen verändert. Er ändert ihre Einstellung und sie entscheiden sich für ein Leben, das ganz dem Herrn geweiht ist. Das gibt mir Hoffnung, dass wir eine Zukunft haben.
Für Deutschland wünsche ich mir, dass auch hier die Initiative ergriffen wird, eine Schule zu eröffnen, die die Vorbereitung von Missionaren und Evangelisten zum Ziel hat. Auch wenn dies sehr herausfordernd ist. Doch die Frage ist: Welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen für den Auftrag Gottes, das Evangelium zu verbreiten?

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