Jeremia – Bist du echt ?


„Pflügt einen Neubruch und sät nicht unter die Dornen!“ (Jer. 4,3)


So kehrt doch um, jeder von seinem bösen Weg, und bessert eure Wege und eure Taten!“ (Jer. 18,11)


Einen Abend vor der Kinderfreizeit unterhalten sich zwei Jugendliche über die bevorstehende Woche. Einer der beiden gibt ehrlich zu: „Ich möchte am liebsten wieder nach Hause fahren. Ich fühle mich so schlecht, so unbrauchbar. Wie soll denn Gott, bei all den Sünden, die ich gestern getan habe, durch mich wirken? Ich hasse es, wenn ich vor Leuten so tun muss, als wäre alles in Ordnung.“ Daraufhin antwortet der andere Jugendliche: „Ich weiß, dass meine Worte viel zu schwach sind. Ich werde für dich beten und bin mir sicher, dass Gott dir helfen wird.“
Die zwei jungen Gläubigen gehen ins Gebet. Eine Stunde vergeht und Gott tut sein mächtiges Werk! Der Jugendliche darf wahrhaftig schmecken, wie gut und groß Gott ist. Die darauffolgende Woche wird für ihn zum großen Segen. Er erlebte die Nähe des HERRN und zeugte den Kindern kräftig von Jesus Christus.


Diese tatsächliche Begebenheit zeigt uns, wie wichtig es ist, echt vor Gott zu sein und zu ihm zu kommen, so wie man ist. Aber das ist nicht immer einfach.
Das Problem mit der Aufrichtigkeit
Es liegt in der Natur des Menschen, sich immer besser zu stellen, als man wirklich ist. Keiner gibt gerne freiwillig öffentlich die eigenen Fehler zu oder übernimmt die Verantwortung dafür. Wir alle wollen vor dem Nächsten perfekt dastehen.
Dieses Verhaltensmuster kann spätestens im geistlichen Leben extrem gefährlich werden.


– Wenn man nicht mehr echt zu sich selbst, zu Gott und dem Nächsten sein kann. – Wenn man etwas in der Gemeinde vorgibt, was man aber in Wahrheit gar nicht ist.


– Wenn du Sünden in deinem Leben zugelassen hast und einfach die Augen davor verschließt.
DANN bist du auf einem krummen Weg und kannst dir sicher sein, dass der HERR deine Täuschung gegenüber IHN und den Mitmenschen aufdecken wird (Spr. 10,9).

Das mahnende Beispiel Juda
Gott selbst kann Unaufrichtigkeit in keinster Weise akzeptieren. Ebenso wenig, wenn seine Kinder in Sünden leben, sie nicht bekennen und ihre Wege und Taten nicht bessern. Sein Ruf und sein Wille an uns ist ein Ruf zur Echtheit. Zu einem aufrichtigen und heiligen Leben vor seinem Angesicht.
Nirgendwo in der Bibel als im Buch Jeremia wird diese Charaktereigenschaft Gottes deutlicher. Zu keiner anderen Zeit war das Volk weiter entfernt von Gott, stärker gefangen in Sünden und überzeugter von seinem eigenen Handeln.
Über 50 Jahre prophezeite Jeremia strenge Gerichtsworte an das Volk. Doch in all den Jahren konnten auch seine dramatischen Botschaften keine Reue und Buße in den Herzen Juas hervorrufen. Verblendet von dem eigenen Selbstbetrug unterlagen sie schlussendlich dem Gericht und der Strafe Gottes.


Ihre Geschichte ist für uns eine ernste Ermahnung, nicht den gleichen Weg des Verderbens zu gehen (1.Kor. 10,6) und das soll die Botschaft dieses Artikel sein:
Sei ECHT!


Ein schwerer Auftrag
Als Jeremia mit 21 Jahren zum Propheten berufen wird, ist Juda in Aufbruchstimmung. König Josia schafft es, den Götzendienst zu beseitigen, den Tempeldienst wiederherzustellen und auch politisch sein Königreich zu stärken. Obwohl es von Außen schien, als würde alles gelingen, sah Gott genau auf das Herz der Menschen:


„Trotz allem ist ihre treulose Schwester Juda nicht von ganzem Herzen zu mir zurückgekehrt, sondern nur zum Schein, spricht der HERR.“ (Jer. 3,10)


„Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“ (Jer. 2,13)
„Höre doch dies, du törichtes Volk ohne Einsicht, die ihr Augen habt und doch nicht seht, die ihr Ohren habt und doch nicht hört!“ (Jer. 5,21)


Alle diese Prophezeiungen wurden in den Regierungsjahren Josias ausgesprochen. Somit ist eindeutig klar, dass seine Reformen nur oberflächlichen Erfolg hatten und nicht die Herzen der Menschen erreichen konnten. Die Bewohner von Juda täuschten ihre Veränderung nur vor und blieben weiterhin in ihren Sünden.
In der Zeit unter Josia erlebte Jeremia wenig bis keine Anfeindungen aufgrund dieser harten Botschaften. Als aber Josia unerwartet in der Schlacht von Megiddo gegen den Ägypterkönig Necho starb, wurde sein Sohn Jojakim König.
Dieser gottlose König schaffte es innerhalb kürzester Zeit, die Reformen seines Vaters rückgängig zu machen. Unter ihm war die Unterdrückung der Armen, Witwen und Waisen besonders ausgeprägt. Sogar Götzendienst und Kinderopfer waren bei ihm an der Tagesordnung.
In seiner Regierungszeit hatte der Prophet besonders schwer zu leiden:


– Einige Mordanschläge wurden gegen ihn geplant (Jer. 18,23)
– Er wurde zum Tod verurteilt und in letzter Sekunde gerettet (Jer. 26,8)
– Er wurde in einen Stock gelegt und geschlagen (Jer. 20,1-2)
– Ächtung und massive Rufschädigung durch die geistliche Elite

Doch Jeremia lässt sich davon nicht entmutigen und bleibt seiner schweren
Berufung treu. Keines der Worte des HERRN lässt er weg. Auch nicht dann, als
er mit einer besonderen harten Botschaft von Gott beauftragt wurde (Jer. 26,2).


Die Tempelrede


Bei dieser Prophetie handelt es sich um die Tempelrede. Es ist vielleicht einer der ermahnensten Reden Gottes in der Zeit zu Jojakim und dem Volk und hätte Jeremia beinahe das Leben gekostet. Diese Verkündigung ist damals so wie heute aktueller denn je und trifft den Nerv unserer Zeit. Im folgenden möchte ich drei wichtige Probleme hervorheben:


1) Falsche geistliche Sicherheit
2) Einmal gerettet, immer gerettet
3) Vermischung von Götzendienst und Gottesdienst

1. Falsche geistliche Sicherheit


„So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Bessert euren Wandel und eure Taten, so will ich euch an diesem Ort wohnen lassen! Verlasst euch nicht auf trügerische Worte wie diese: »Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!« (Jer. 7,3-4)
In den Regierungsjahren Jojakims war Israel einer starken Bedrohung durch seine Feinde ausgesetzt. Der König von Juda ging, entgegen Gottes Anweisung, ein Bündnis mit Ägypten ein und wollte nicht mehr länger unter der Herrschaft von Babylon stehen. Dies hatte zur Folge, dass Nebukadnezar in Juda einfiel und schließlich Jerusalem belagerte.


Genau in dieser Zeit versuchte Jojakim das Volk damit zu beruhigen, dass der Tempel des HERRN in Jerusalem ist und sie deswegen in Sicherheit sind. Jojakim erinnerte sich nämlich an die Begebenheit, als Sanherib die Hauptstadt belagerte und eine dramatische Niederlage erlitt, da in einer Nacht 185.000 Assyrer durch den Engel des HERRN getötet wurden.


In der Tat war der Tempel ein Ort der Gegenwart Gottes. Ein Ort, an dem Gott selbst seinen Namen niederlegte und versprochen hatte, dass er vom Himmel hören wird, wenn sein Volk in der Not zu ihm rufen wird (2.Chr. 6). Was Jojakim aber in der Verblendung seines Selbstbetrugs nicht sah, war die Tatsache, dass Gott keinen Gefallen an einem formellen Lippenbekenntnis hat. Er hat nicht Gefallen am Opfer, sondern am Gehorsam. Nicht die Kleider sollen vor ihm zerrissen werden, aber einen zerbrochenen Geist und ein zerschlagenes Herz wird er nicht verachten (Ps. 50,19). Beides hatte das Volk nicht und konnte somit nicht auf die Hilfe Gottes hoffen, weil die aufrichtige Buße nicht vorhanden war. Daher prophezeite Jeremia, dass der Tempel genau so wie Silo zerstört werden wird.
Heute sind wir einer ähnlichen Gefahr ausgesetzt, sich auf Dinge zu verlassen, die einen nicht retten können, wenn das eigene Herz von Gott entfernt ist. Wir können heute genau so sagen:
„Ich bin doch ein Gemeindemitglied…“
„Ich bin in der Gemeinde aktiv und führe einige Dienste aus…“
„Ich bin getauft mit dem Heiligen Geist…“
„Gott segnet doch meine Arbeitsstelle und meine Familie…“
Die Gemeindegliedschaft, die Versiegelung mit dem Heiligen Geist und der Dienst sind wichtige Bestandteile in unserem geistlichen Leben. Wenn wir uns aber trotzdem selbst betrügen und Sünde in unserem Leben tolerieren, reden wir uns einen falschen Frieden ein, den es gar nicht gibt. Genau so, wie es damals die Israeliten taten. Das Ergebnis aber ist, dass es unweigerlich zum geistlichen Fall führt (Jer. 23,12).


2. Einmal gerettet, immer gerettet


„Dass ihr dann kommen und vor mein Angesicht treten könnt in diesem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und sprechen: »Wir sind errettet!« – nur, um dann alle diese Gräuel weiter zu verüben?“ (Jer. 7,10)
In diesem Punkt hatte sich Juda nicht nur auf den Tempel an sich verlassen, sondern auf seine besondere Stellung als auserwähltes Volk. Die Menschen verfielen dem Irrglauben, dass Gottes Verheißungen nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Sie gingen davon aus, dass Gott, egal was sie tun, sie retten würde. Deswegen bestand auch kein Drang, die eigenen Wege und Taten zu bessern, weil Sünde nicht mehr als Sünde gesehen wurde.


Hier liegt auch das Problem in unserer heutigen Zeit. Durch die Lehrmeinung: „Einmal gerettet – immer gerettet“, entsteht genau der gleiche Eindruck, dass du tun kannst, was du möchtest. Jesus hat ja schon für dich am Kreuz für deine vergangenen und zukünftigen Sünden bezahlt. Weil er ein Gott der Liebe ist, wird er dich mit Sicherheit nicht richten. Du bist ja sein Kind, welches mit dem teuren Blut Jesu erkauft wurde.
Es ist die eine Sache, die Gnade Gottes in seinem Leben in Anspruch zu nehmen. Es ist aber die andere Sache, die Gnade in seinem Leben wirken zu lassen und fortan Jesus Christus ähnlicher zu werden. Gott hat nämlich kein Ansehen der Person und erwartet von uns ein Leben in fortschreitender Heiligung. Weil er heilig ist, möchte er auch, dass du heilig bist.


Namenskinder sind noch lange keine Gotteskinder. Wahre Gotteskinder zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Tat und Wahrheit lieben. Dass sie mit ungeteiltem Herzen Jesus Christus nachfolgen. Dass sie ihr eigenes Ich gekreuzigt haben und die Sünde in ihrem Leben nicht mehr herrschen lassen. Sie leben für ein höheres Ziel, für eine größere Berufung, für ein Reich, das in alle Ewigkeit Bestand hat.


3. Die Vermischung von Gottesdienst und Götzendienst


Die Kinder lesen Holz zusammen, und die Väter zünden das Feuer an, die Frauen aber kneten den Teig, um der Himmelskönigin Kuchen zu backen; und fremden Göttern spenden sie Trankopfer, um mich zu ärgern.“ (Jer. 7,18)
Die Himmelskönigin, von welcher die Rede ist, war eine assyrische-babylonische Göttin mit Namen Astarte; eine Fruchtbarkeitsgöttin. Ihre Verehrung beinhaltete kultische Prostitution. Familienmitglieder jeder Generation waren in diesem sexuellen Götzendienst mit eingebunden. Selbst junge Mädchen in Juda wurden mindestens einmal im Leben dazu angehalten, diesen gräulichen Dienst zu Ehren der Astarte auszuführen. Zur Zeit Jojakims ist man auf den sogenannten „Höhen“ gegangen, um seiner Lust freien Lauf zu lassen. Heute sind es verschiedene Internetseiten, die die Möglichkeit bieten, jede Art von Perversion auszuleben.


Ich würde dies nicht so ausdrücklich niederschreiben, wenn folgende Statistik niederschmetternd wäre:


– 4 % des Internets ist voll von Pornografie
– 61 % der Bevölkerung haben sich solche Inhalte angeschaut
– Mit durchschnittlich 12 Jahren kommen die meisten damit in Kontakt
– 54 % der Menschen, die praktisch ihr Christsein ausüben, schauen regelmäßig solche Videos
– 18 % der Pastoren haben damit Schwierigkeiten
Diese Statistik ist zwar aus den USA, aber das heißt nicht, dass in Deutschland das Problem geringer wäre. Die Gemeinde weltweit ist verseucht von sexuellen Verfehlungen und das nimmt ihr die Kraft, wahrhaftiger Zeuge für Jesus Christus zu sein.


Was nötig ist, ist ein klarer Kurs- und Richtungswechsel. Gott möchte nicht in allererster Linie deinen Dienst, sondern deinen Gehorsam aus reinem Herzen. Denn Gehorsam ist besser als Opfer. Wir können nicht Gottes Diener sein und zugleich auch Götzendiener. Heiliges lässt sich niemals mit Unheiligem vermischen.
Die Ursache, dass Juda den Gottesdienst mit dem Götzendienst vermischte, lag darin, dass das Wort Gottes verfälscht wurde (Jer. 8,8). Es wurde nicht mehr so ausgelegt und verstanden, wie es Gott ursprünglich beabsichtigte. Möge der HERR in unseren Gemeinden und Familien Gnade geben, dass das Wort Gottes in aller Reinheit gepredigt und auch gelebt wird.


Der Aufruf zur Echtheit


Gott sucht heute nach „echten“ Männern und Frauen Gottes. Er sucht heute nach denen, die mit Fehlern und Schwachheiten behaftet sind, aber zu ihm kommen, wie sie sind. Er sucht genau DICH!
Wirst du derjenige sein, der sein Kreuz auf sich nimmt, verleugnet und ihm nachfolgt? Wirst du derjenige sein, der die Sünden in seinem Herzen tötet und zu seiner Ehre lebt?
Wirst du derjenige sein, der nichts anderes kennt und für nichts anderes lebt als für die Sache des Christus?


Bist du bereit, nicht auf deine Schwachheiten zu schauen, sondern auf Christus?


SEI ECHT! UND FOLGE IHM NACH!

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